Prof. Dr. KMD Joachim Dorfmüller

Kirchenmusiker in der Evangelischen Kirchengemeinde Gemarke-Wupperfeld in Barmen

 

Herzlich willkommen heißen darf ich alle, die bei den Barmer Bach-Tagen 2020 als Zuhörende und Ausführende dem großen Johann Sebastian Bach die Ehre erweisen! Jenem „Thomaskantor aller Thomaskantoren“, der – wie Max Reger am 31.5.1916 pointiert in ein Stammbuch schrieb – „Anfang u. Ende aller Musik“ ist. Und von Ludwig van Beethoven wird überliefert: „Bach sollte nicht Bach, sondern Meer heißen“.

Zwischen dem 8. und dem 17. Mai 2020 werden – für Wuppertal ein Novum – die Barmer Bach-Tage 2020 in herausragender Weise dem Leben und dem Schaffen Bachs gewidmet sein. Matthias Lotzmann, der vor einem Jahrzehnt die Reihe „Mit Bach durch’s Jahr“ begründete, geht mit diesen Tagen nun einen respektablen Schritt weiter, einen Schritt, der durchaus  in der Geschichte der Wupperfelder Gemeinde verankert ist. Denn 1914 hatte der Wupperfelder Kirchmeister Friedrich Geß an der Alten Wupperfelder Kirche einen Bach-Verein gegründet, dessen Chor sich drei Jahrzehnte und insbesondere unter Gottfried Grote zwischen 1926 und 1935 seinem Namenspatron verpflichtet wusste. Bachs Kantaten und Motetten wurden in Gottesdiensten und Konzerten intensiv gepflegt. Und Sternstunden waren es, als Albert Schweitzer 1928 und 1932 auf Einladung des Vereins zugunsten seines Lambarene-Hospitals Vorträge hielt und an mehreren Barmer Orgeln spielte. Mein Vater, der als Schüler und ständiger Vertreter Grotes neben Schweitzer an der Orgel sitzen durfte, erwarb damals übrigens Schweitzers große Bach-Biographie, die, mit einer Widmung versehen, leider im Bombenhagel auf Barmen in der Nacht zum 30.5.1943 verbrannte.

Sich nach dem Zweiten Weltkrieg profiliert an der Alten Wupperfelder Kirche vier Jahrzehnte hindurch intensiv der Bach-Pflege zu widmen, war Winfried Pesch beschieden. Geprägt von der Bach-Schule eines Hans Klotz, durch die ich auch ein Jahr gehen durfte, bot er einen weitgefächerten Überblick bis hin zum Weihnachtsoratorium. Unvergesslich, dass er mich 1985 bat, in der Reihe seiner Wupperfelder Abendmusiken Bachs gerade wiederentdeckte Neumeister-Sammlung für Wuppertal erstaufzuführen und drei Jahre später in meinem 1000. Konzert Bachs Große Orgelmesse zu spielen. Als er 1996 in den Ruhestand ging, setzte Carsten Zündorf für ein Jahrzehnt sowohl als Kantor wie auch als Organist in Gottesdiensten und im Rahmen der Wupperfelder Abendmusiken weiterhin starke Bach-Akzente.
2006 führte Matthias Lotzmann, von der Gemarker Kirche kommend, Bachs „Soli Deo gloria“ an der Alten Wupperfelder Kirche fort – selbstverständlich nicht nur, denkt man etwa an seine  romantischen Programme – verlagerte jedoch seine Aktivitäten ein Jahrzehnt später nach Profanierung der Alten Kirche an die zur gleichen Gemeinde gehörende Lutherkirche. Unüberhörbar sein Faible für die Romantik,  lassen die Barmer Bach-Tage diese Kirche, an der ich seit sechs Jahrzehnten als Organist wirken darf, beträchtlich an Bedeutung gewinnen. Eine Dekade lang wird nun höchst intensiv Musik lebendig, von der Leonard Bernstein sagte: „Für Bach war alles in der Musik Religion, sie zu schreiben war ein Glaubensbekenntnis, sie zu spielen ein Gottesdienst. Jede Note war nur an Gott gerichtet. Das trifft auf alle Teile des Werkes zu, wie weltlich auch immer ihr Verwendungszweck gewesen war.“

In diesem Sinne wünsche ich den 1. Barmer Bach-Tagen 2020 optimale Resonanz, künstlerische Erfolge und über allem Gottes Segen!