Stefan Heucke, Schrimherr der Barmer Bach-Tage 2021

Die Barmer Bach-Tage wollen Brücken bauen.


Mit diesem Satz fasst Dr. Matthias Lotzmann, Gründer der Barmer-Bach-Tage seine Konzeption eines Bachfestes in Wuppertal-Barmen zusammen, das eigentlich bereits 2020 hätte stattfinden sollen, was aus hinlänglich bekannten Gründen nicht möglich war.

 

Als Matthias Lotzmann mich bat, die Schirmherrschaft über die neugegründeten Barmer Bach-Tage, die nun in diesem Oktober 2021 zum ersten Mal wahr werden, zu übernehmen, habe ich dem aus drei Gründen mit Freude zugestimmt.

 

Erster Grund ist eine langjährige, seit Studientagen bestehende persönliche Verbundenheit zwischen dem Gründer und mir. Zweiter ist die Tatsache, dass Johann Sebastian Bachs Musik in meinem eigenen kompositorischen Schaffen eine zentrale Rolle spielt, was allerdings nichts Ungewöhnliches ist, denn bei welchem Komponisten wäre das nicht der Fall? An Bach kommt ein ausübender Musiker ebenso wenig wie ein schöpferischer vorbei.

 

Dritter und wichtigster Grund ist aber der, dass ich Bachs Musik in der Tat eine gewaltige integrative Kraft des Brückenbaues zutraue. Sie vereint und verbindet schon werkintern fast alle Gegensätze, die das musikalische Denken bestimmen können. Sie verbindet komplexe Polyphonie mit gesanglicher Homophonie, geistliche Musik mit weltlicher, nicht nur in dem Sinne, dass sie beide Gattungen nebeneinanderstellt, sondern sie vielfach ineinander verschränkt. Sie verbindet Meditation und Drama in den Passionen, reizt in der Instrumentalmusik die Einstimmigkeit bis an die Grenze des Möglichen aus und gestaltet dabei gleichzeitig Mehrstimmigkeit. Bachs Musik ist Brückenbauen in sich!

 

Dass die Barmer Bach-Tage diese integrative Kraft Bach’scher Musik nützen wollen, um ihrerseits Brücken zu bauen, macht sie zu einem relevanten Baustein des lebendigen Wuppertaler Musiklebens.

 

Ich wünsche Matthias Lotzmann und seinem Team allerbestes Gelingen dieser ersten Barmer Bach-Tage, vor allem aber Ihnen, verehrte Zuhörer*innen, eine beglückende Erfahrung mit Bachs Musik und ihrer großen, leben und energiespendenden Integrationskraft.

 

Stefan Heucke