Dr. Matthias Lotzmann, Initiator und Künstlerischer Leiter der Barmer Bach-Tage Kirchenmusiker der evangelischen Kirchengemeinde Gemarke-Wupperfeld in Barmen

 

Liebe Freunde der Barmer Bach-Tage,
Die Idee zu den Barmer Bach-Tagen ist die Frucht einer langjährigen berufsmusikalischen Praxis in unserer Region. Und ich gebe es unumwunden zu: Es ist auch ein bewusstes Agieren gegen den Strom der Zeit. Was ist damit gemeint?

 

Gestatten Sie mir bitte, dass ich es kurz umreiße.
Der Klang des Soli Deo Gloria Johann Sebastian Bachs ist unseren Kirchen und Konzertstätten selten geworden. Dazu nimmt die fachliche Voraussetzung für diese Musik in der Breite der Gesellschaft stetig ab: In den Chören, auf den Orgelemporen, in den musikalischen Kreisen und kommunalen Sälen. Es ist mehr und mehr zudem eine Sache von Spezialisten geworden. Die kulturellen Rahmenbedingungen haben sich deutlich verändert. Damit möchte ich mich nicht abfinden müssen. Die Barmer Bach-Tage wollen Brücken des Verstehens bauen. Denn es ist möglich, dass Herr Bach von seinem Denkmal vor der Leipziger Thomaskirche herabsteigt (auf das er sich nicht selbst, sondern die romantischen Enthusiasten ihn gestellt haben)! Er selbst bringt uns seine Musik nahe, in Klang und Glaube, in Erkennen und Verstehen. Dazu braucht es nicht viel. Die Idee der Barmer Bach-Tage ist nicht die einer weiteren Orgelkonzertreihe. Da gibt es keinen Nachholbedarf. Die Bereitschaft, sich mit dem Ererbten zu befassen, reicht aus. Und Reichtum und Vielfalt der Bachschen Kunst werden uns zu Hilfe eilen, die Welt, den christlichen Gott und uns selbst besser zu verstehen.

Dabei wird an die große Bach-Tradition angeknüpft, die Barmen in seiner Geschichte aufzu-bieten hat. Der Barmer Bachverein, 1914 an der Alten Kirche Wupperfeld gegründet, war bis 1943 (Zerstörung der Alten Kirche Wupperfeld) eine wichtige musikalische und gesellschaftliche Institution in und für Wuppertal, und agierte auch an der Lutherkirche Barmen. Ich wünsche mir eine fortgesetzte lebensnahe Begegnung mit seiner Musik: in der Musikausbildung und -übung der jungen Generation, in der kirchengemeindlichen Praxis, als theologische Herausforderung und Bereicherung. Vorläufiger Höhepunkt der bis 2022 jährlich, danach alle zwei Jahre stattfindenden Barmer Bach-Tage wird die Aufführung der Matthäus-Passion am Karfreitag 2022 sein. 
                                  
Insbesondere danke ich dem Rektor der Hochschule für Kirchenmusik Herford, Herrn Prof. Dr. Helmut Fleinghaus für die Übernahme der Schirmherrschaft der Barmer Bach-Tage 2020 und meinem Kollegen und Freund Prof. Dr. KMD Joachim Dorfmüller für Rat und Tat. Auch wäre die Barmer Bach-Tage ohne die beträchtlichen Zuwendungen der vielen Spender und Einrichtungen nicht möglich geworden. Diese Freundlichkeit hat mich sehr berührt. Nicht zuletzt gilt mein Dank auch der Evangelischen Kirchengemeinde Gemarke-Wupperfeld in Barmen für die gewährte Unterstützung und die Möglichkeit, die Lutherkirche und das angrenzende Lutherheim für die Veranstaltungen dieser Woche nutzen zu dürfen. Die Initiierung der Barmer Bach-Tage war und ist mir eine große Freude! Es ist gut, zahlreiche interessierte und engagierte Menschen um sich zu wissen, ohne die die dauerhafte Verwirklichung dieser Idee nicht möglich wäre. Ihnen allen spreche ich meinen großen Dank aus. Uns allen wünsche ich in der Zeit vom 10.–18. Oktober 2020 viele gute Eindrücke und Anregungen!